Implantologie
Unter einem Zahnimplantat versteht man einen in den Kieferknochen eingesetzten Fremdkörper (Implantat). Dieser übernimmt durch die Versorgung mit einer geeigneten Überkonstruktion die Funktion einer künstliche Zahnwurzel. Hierzu wird das Implantat in den Kieferknochen eingedreht. Innerhalb von 3-6 Monaten verbindet sich das Implantat mit dem Umgebenden Knochen zu einer stabilen und sehr belastungsfähigen Einheit. In der Zahnheilkunde finden heute in erster Linie geschraubte Implantate aus Titan mit einer speziellen Oberflächenbeschichtung Verwendung.
Heute kann in der Hand des erfahrenen Implantologen nahezu jeder Patient erfolgreich mit Implantaten behandelt werden. Bei der Auswahl der geeigneten Patienten wird versucht, mögliche Komplikationen auszuschließen. Dies sind unter anderem
- alle Faktoren, die eine Infektion begünstigen
- eine eingeschränkte Immunabwehr (z.B. bei Patienten während/kurz nach einer Chemotherapie)
- Patientinnen, die wegen ihrer Osteoporose mit einem Medikament mit dem Wirkstoff Bisphosphonat behandelt werden/wurden.
Wenn nicht genug Knochen vorhanden ist, muss entweder ein kleineres Implantat gewählt werden oder der benötigte Knochen muss durch geeignete chirurgische Maßnahmen aufgebaut werden. Dies kann entweder mit körpereigenem Knochenmaterial oder mit synthetischem Knochenersatzmaterial geschehen. Die zahnärztliche Implantation wird bei örtlicher Anästhesie ambulant durchgeführt und verläuft weitgehend schmerzfrei. An der geplanten Stelle wird die Schleimhaut zur Seite gelegt und das Implantatbett schrittweise nach individuell festgelegter Länge und Durchmesser aufbereitet. Nach dem Einbringen des Implantates wird das Zahnfleisch wieder vernäht. Bei guter Nachsorge lassen sich Komplikationen (Schwellungen usw.) weitgehend verhindern. Normalerweise ist die Wundheilung nach zehn Tagen abgeschlossen. In Abhängigkeit von der Knochenqualität schließt sich eine belastungsfrei Einheilphase an. Diese beträgt durchschnittlich 2–3 Monate im Unterkiefer und 3–6 Monate im Oberkiefer, da die Knochendichte von Unter- und Oberkiefer unterschiedlich ist. Für diese Übergangszeit wird ein provisorischer Zahnersatz eingesetzt. Bei einem mehrteiligen Implantat wird nach der Einheilphase das Implantat wieder frei gelegt, die Implantat-Skundärteile eingeschraubt und die Suprakonstruktion gefertigt und eingegliedert.
Zahnimplantate müssen wegen der Infektionsgefahr regelmäßig kontrolliert werden. Rechtzeitig erkannte Infektionen sind deutlich erfolgreicher zu behandeln als fortgeschrittene, die bereits zu einem Abbau von Knochenmaterial geführt haben. Daher sollen Zahnimplantate alle 6 Monate vom behandelnden Zahnarzt kontrolliert werden. Die Verweildauer der Implantate im Kiefer ist abhängig vom Erhalt des umgebenden Knochens. Die Verbindung zwischen Implantat und Knochen ist nahezu ausschließlich durch bakterielle Einflüsse zerstörbar. Die Erfolgssicherheit der heutigen Implantate liegt nach internationalen Statistiken im 5-Jahresintervall bei 85–90 % und ist im Wesentlichen vom Eintreten einer Infektion abhängig. Durch geeignete Maßnahmen, die sich der konsequenten Infektionsprophylaxe zuwenden, ist es daher möglich, die Erfolgsquote im 10-Jahresintervall auf nahezu 100% zu steigern. Dies gilt nur für Nichtraucher. Es sind Liegezeiten von mehr als 40 Jahren bekannt.
Mit diesen Zahlen gehört die zahnärztliche Implantologie zu den erfolgreichsten medizinischen Eingriffen überhaupt.
